Dem Zeitgeist voraus: Kapstadt ist Designhauptstadt 2014

In diesem Jahr darf sich Kapstadt Designhauptstadt 2014 nennen und zeigt der Welt, dass es nicht nur als beliebtes Reiseziel und Top-Spot für Surfer perfekte Bedingungen bietet. Gleich zu Beginn des Designjahres hatten wir das Glück, diese sympathische Metropole Südafrikas besuchen zu können und haben festgestellt, dass Kapstadt in Sachen Design der europäischen Denkweise in vielerlei Hinsicht voraus ist und langfristige Trends mit Perspektiven setzt, die es sich lohnt, unter die Lupe zu nehmen.
Umgeben von überwältigender vielfältiger Fauna, Flora, dem tosenden Atlantik und dem Indischen Ozean, üppigen Gesteinsformationen, prächtiger Farbenvielfalt und sanftem Licht kennen Kreativität und Raffinesse kaum Grenzen.
Die kulturelle Vielfalt Kapstadts und ein auch für Südafrika einzigartig entspanntes Miteinander in dieser Stadt tragen dazu bei, Schönes mit Notwendigem zu verbinden. Vielleicht liegt es daran, dass Designthemen wie Nachhaltigkeit und Recycling, die in Europa eher als Modeworte propagiert werden, dort wie selbstverständlich umgesetzt werden.

Upcycling, das Verarbeiten von Abfallprodukten zu neuen Accessoires und Möbelstücken, ist schon lange ein aus der Not entstandenes Thema. Der weltweit aktuelle Trend der Nachhaltigkeit macht Upcycling-Produkte so up to date, dass Kooperationen zwischen modernem Design mit Herstellungsverfahren wie Rapid Prototyping und ganz traditioneller Herstellung entstanden sind. Objekte aus Perlen, alten Dosen, Telefonkabeln, getrockneten Früchten, Holz, Metall und Reifen werden in Form, Farbe und Struktur zeitgemäß umgesetzt. Schmuck wird fein verarbeitet und kommt ebenso zeitgemäß schlicht und filigran wie traditionell daher. Sehenswert vereint wurde dieser Ansatz zum Beispiel mit Produkten in der Kalk Bay Modern Gallery in Kalk Bay. Dort können zeitgenössische südafrikanische Kunst und Kunsthandwerk bestaunt und erstanden werden.


Foto: Kalk Bay Modern
Der Fokus liegt auf der Verwendung natürlicher einheimischer Materialien und auf ‘made in South Africa’, ob es um Möbel, Wohnaccessoires oder kleine Mitbringsel für Touristen geht. Typographien und Muster auf Textilien geben den Ton an, Schönes Handbedrucktes findet man unter anderem auch beim Design Team.

Design Team Showroom
Auch in Sachen Esskultur ist Regionales und selbst Erzeugtes beliebt, viele Weingüter und Farmen machen es vor. Im Restaurant ‘Babel der Farm Babylonstoren zwischen Franschhoek und Paarl, zum Beispiel, kommt auf den Tisch, was im eigenen Garten angebaut wurde.

Babel Restaurant
Kreative schaffen Neues

Durch die vielfältigen kulturellen Einflüsse hat sich eine neue Nutzung von Stadtteilen entwickelt. Ein Beispiel urbaner Erneuerung ist der Stadtteil Woodstock, dessen Potential junge Kreative in den letzten zehn Jahren erkannt haben und die noch erschwinglichen Preise zu schätzen wussten. Eine neue Künstler- und Designszene formierte sich. Restaurants, Ladengeschäfte und Büros folgten und im Handumdrehen war Woodstock kein Geheimtipp mehr, aber ein sympathischer Stadtteil, dessen Entwicklung nicht stillsteht. Die größte Anziehungskraft hat der mittlerweile übers Stadtgebiet hinaus bekannte Neighbour Goods Market auf dem Gelände der Old Biscuit Mill in der Albert Road. Jeden Samstag schieben sich Menschenmassen durch die Markthallen, treffen sich auf ein gemeinsames Frühstück an einem der Stände regionaler Erzeuger und genießen die hervorragende Kaffeekultur bei einem Double Flat White.


Neighbour Goods Market in Woodstock
Kaffeekultur & Understatement im The Power & The Glory
(Foto via Georgette Magazine)
Vintage, Kunst, Kunsthandwerk und Kuriositäten bei Karoo Moon in Woodstock
Gleich nebenan, im District Six, zeigt sich ein brisantes Kapitel der Geschichte Kapstadts. Nachdem der sechste Stadtbezirk 1966 zum “weißen Territorium” erklärt wurde, zwang man die bis dahin dort ansässige multiethnische Community schrittweise zum Wegzug. 1982 hatte man schließlich mehr als 60.000 Menschen gewaltsam vertrieben und ihre Community mit Bulldozern dem Erdboden gleich gemacht. Im Designjahr 2014 rufen Installationen zum Erinnern an die brutale Räumung und Zerstörung des District Six und zum Umdenken auf. Das District Six Museum bietet einen umfassenden Rückblick auf die Geschichte dieses ehemals lebendigen Stadtteils und seiner Bewohner.
Kapstadt 2014, unser Fazit: Ein insgesamt entspannt offenes Zusammentreffen verschiedener Kulturen und Mentalitäten, mit viel Potential, Neues entstehen zu lassen.
>> Projekte, Infos und Programmpunkte findet ihr auf WDC Cape Town2014
>> Profile von Designern und schöne Produktbeispiele findet ihr auf der Website der Design Indaba.

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